Beamtenservice
13 Apr. 2022
Ottonova Krankenversicherung: Erfahrungen, Bewertungen, Risiken

Die Ottonova ist eine der jüngsten Versicherer am Markt und agiert komplett digital. Das wirft einige Fragen auf: Wie gut und seriös ist die Ottonova? Bleiben Leistungen auf der Strecke? Welche Risiken bestehen bei dem digitalen Versicherer?

Wie innovativ ist die Ottonova wirklich?

Auf der Suche nach einer Privaten Krankenversicherung (PKV), bist du vermutlich schon oft über Werbung der Ottonova gestolpert. Das Versicherungsunternehmen ist 2015 an den Markt gekommen und somit der jüngste Anbieter für Private Krankenversicherungen. Genauso jung ist die Zielgruppe der Ottonova – Deswegen kommt man vor allem in den sozialen Medien kaum an ihrer starken Online-Präsenz vorbei.

Das Versprechen hinter der – zugegeben – richtig guten Marketingstrategie: Lästige Versicherungsangelegenheiten unbürokratisch, schnell und digital erledigen. Papierkram ade. Dabei werden alle Services so kommuniziert, als würde die Ottonova das Versicherungsgeschäft revolutionieren. Doch die meisten Punkte sind gar nicht so innovativ, wie sie im ersten Moment klingen.

Ottonova: Die digitale Krankenversicherung

Keine Frage, die Ottonova präsentiert sich als Versicherer am Puls der Zeit: Sprechstunden beim Arzt per Video-Call, Einreichung der Rechnungen einfach per App, Rund-um-die-Uhr-Betreuung und eine digitale Aktentasche, die alle wichtigen Dokumente übersichtlich ordnet. Hier einmal die Vorteile, mit denen das Versicherungsunternehmen auf seinen Kanälen wirbt. Und unsere Bewertung.

Vorteile der Ottonova Versicherung
  1. Keine Öffnungszeiten – 24/7 erreichbar

Die Kunden sollen vom Digitalversicherer profitieren, der sich jederzeit erreichbar gibt: „24/7 Beratung von medizinisch ausgebildeten Mitarbeitern – per Telefon oder Chat“ heißt es auf der Webseite. Natürlich können und sollen alle Versicherungsangelegenheiten über die App abgewickelt werden. Rechnungen und Dokumente kann man 24/7 hochladen und einsehen. Persönliche Anliegen und Fragen direkt in der App über den Chat stellen. Das große ABER: Auch der Kundenservice der Ottonova ist „nur“ wochentags von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Ab Freitagabend schaltet sich ein Dienstleister dazwischen, der die Anfragen montags weiterleitet.

 

  1. Rechnungen in der App hochladen

Die Ottonova wirbt groß damit, dass du deine Rechnungen direkt per Foto in die App hochladen und dir somit das Porto und den Gang zur Post sparen kannst. Doch sind wir mal ehrlich: Nahezu jede private Krankenversicherung hat eine App und bietet dir die Möglichkeit, Rechnungen einfach zu fotografieren und digital einzureichen.

 

  1. Digitale Krankenakte

In deinem digitalen Aktenordner werden all deine Arztrechnungen, Arztbesuche, Krankschreibungen und Dokumente chronologisch aufgeführt. Die Zettelwirtschaft daheim entfällt und du hast deine wichtigen Unterlagen jederzeit griffbereit auf deinem Smartphone. Diese digitale Übersicht bieten allerdings auch die anderen Versicherungsunternehmen am Markt – also nicht wirklich revolutionär.

 

  1. Schnellere Erstattungen der Rechnungen

Auch in diesem Punkt verweist die Ottonova auf ihre schnellen, digitalisierten Prozesse. Lädst du die Arztrechnung direkt in der App hoch, sollst du den eingereichten Betrag innerhalb von 48 Stunden erstattet bekommen. Der sogenannte Vorteil: Du musst du nicht in Vorkasse treten und ewig warten, bis das Geld von deiner Krankenversicherung wieder auf deinem Konto landet. Aber da können die meisten Privaten Krankenversicherer in Deutschland mithalten. In der Regel wird das Geld in wenigen Tagen erstattet, sodass auch hier keine Vorkasse nötig ist.

 

  1. Videosprechstunde beim Arzt

Ein weiterer aufgeführter Vorteil, der – wenn es so einfach wäre – ein echter Mehrwert der Ottonova ist: Du musst dich im Krankheitsfall nicht zum Arzt schleppen und stundenlang im Wartezimmer mit anderen Patienten ausharren. Stattdessen kannst du einem verfügbaren Arzt im Video-Call deine Symptome schildern. Diagnosen, Rezepte und Krankschreibungen gibt es anschließend schnell und unkompliziert über die App. Das würde ungemein viel Zeit und Nerven sparen.

Leider lässt sich das in der Realität so oft nicht umsetzen. Der deutsche Gesetzgeber verbietet sogenannte Fernbehandlungen. Ferndiagnosen sind zwar seit Ende 2021 erlaubt, aber nur, Zitat: „…wenn nach allgemein anerkannten fachlichen Standards ein persönlicher ärztlicher Kontakt mit dem zu behandelnden Menschen nicht erforderlich ist.“ Doch an genau diesen Standards fehlt es. Bis Deutschland in der Telemedizin so weit ist (wie beispielsweise die Schweiz), werden wohl noch Jahre ins Land ziehen.

 

Tarife, Preise und Leistungen der Ottonova

Wie in der Privaten Krankenversicherung üblich, bietet die Ottonova verschiedene Tarife: Von günstig bis hochpreisig, von Einsteiger- bis Premiumtarif – dem „First Class-Tarif. Preislich sind die Beiträge für die PKV im Verhältnis zu den Leistungen angemessen. Die Leistungskataloge der verschiedenen Tarife kann man als solide bewerten. An einigen wichtigen Stellen gibt es allerdings noch Optimierungsbedarf:

Nachteile und Schwachstellen der Krankenversicherung
  • Gerade bei den Leistungen für Hilfsmittel (wie z.B. Bandagen, orthopädische Schuhe, Einlagen, Prothesen, Krankenfahrstuhl etc.) ist noch viel Luft nach oben: Erstattet werden 100 % der versicherten Tarifprozentstufe, wenn ein Hilfsmittel maximal 1000 Euro kostet. Ist der Preis höher, musst du dieses direkt über die Ottonova beziehen – ansonsten werden dir nur 75 % der Kosten erstattet. Hilfsmittel wie Krankenfahrstühle oder Prothesen liegen locker mal im fünfstelligen Bereich – 25 % der Kosten sind also alles andere als Peanuts. Doch an diesen „Umweg“ im akuten Leistungsfall zu denken – sei es in der Klinik nach einem Unfall oder 15 Jahre nach Vertragsabschluss – ist in der Praxis schwierig. Andere Versicherer gehen zwar ähnlich vor, aber bei weitem nicht alle. Ein weiterer Punkt, in dem sich ein Vergleich lohnt.

 

  • Auch im besten „First Class Tarif“ sind die Höchstgrenzen für einige Leistungen viel zu niedrig angesetzt: Hörhilfen werden nur bis 1.500 Euro pro Ohr erstattet. Für Behandlungen bei Heilpraktikern, also Osteopathie, Chiropraktik, Naturheilverfahren etc., werden maximal 1000 Euro im Jahr übernommen – einschließlich Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel. Gerade mit Blick auf den medizinischen Fortschritt, die Spezialisierung der Fachkräfte und die Inflation, sind die genannten Punkte weit unter einem guten Standard.

 

  • Bei stationären Klinikaufenthalten gibt es Höchstsatzbegrenzungen für Laborleistungen, technische und ärztliche Leistungen. Besonders qualifizierte Ärzte, z.B. Chefärzte oder Spezialisten, können jedoch Gebühren verlangen, die über dem Höchstsatz der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) liegen. Zahlt die PKV also nur bis zum Höchstsatz, muss der Versicherte anfallende Mehrkosten in diesem Fall selbst tragen.

 

  • Für stationäre und ambulante Reha-Maßnahmen, Kuren oder Sanatoriumsbehandlungen werden – je nach Tarif – maximal 1000 bzw. 1500 Euro innerhalb von 10 Versicherungsjahren übernommen. Zum Vergleich: Andere Private Krankenversicherer zahlen (natürlich abhängig vom Tarif) bis zu vier Wochen 200 Euro pro Kurtag.

 

  • Es gibt keine Beitragsrückerstattung. Die bekommt man bei einigen Versicherern, wenn man über einen festgelegten Zeitraum nur wenige oder keine Leistungen eingereicht hat. Da die Ottonova finanziell noch nicht so gut aufgestellt ist und keine Gewinne macht, gibt es aktuell keine Beitragsrückerstattungen für die Versicherten.
Risiken bei der Ottonova

Die Risiken auf Seiten des Unternehmens sind enorm. Sich als neue und junge Versicherungsgesellschaft am Markt zu etablieren, ist nicht einfach. Gerade in der Privaten Krankenversicherung ist die Wechselbereitschaft nicht sonderlich hoch. Versicherte, die bereits fünf Jahre und länger privat versichert sind, erwarten in der Regel nur Nachteile bei einem Wechsel: Durch das höhere Eintrittsalter steigen die Beiträge und auch mögliche Vorerkrankungen wirken sich negativ auf die Prämien aus.

Die Zielgruppe sind also klar die Neukunden in der PKV. Diese Zahlen sind jedoch ebenfalls seit einigen Jahren rückläufig. Folglich ist der Anteil der Vollversicherten bei der Ottonova noch sehr gering. Der Großteil ihrer Kunden hat kleine Zusatzversicherungen, wie z.B. eine Zahnzusatzversicherung, abgeschlossen. Obwohl die Debeka – die größte private Krankenversicherung in Deutschland — mit 10 Prozent beteiligt ist: Das junge Versicherungsunternehmen ist noch weit von einem wirtschaftlichen Plus entfernt. Das ist nicht ungewöhnlich und soll nicht negativ ausgelegt werden – Sich auf dem Markt erfolgreich zu etablieren, dauert ein paar Jahre. Dennoch kann man an dieser Stelle keine Prognosen für den erfolgreichen Bestand am Markt oder die Beitragsstabilität abgeben.

Beitragsstabilität der Ottonova Krankenversicherung

Da die Ottonova erst seit Ende 2015 am Markt ist, kann man keinerlei Aussagen zur Beitragsstabilität machen. Bei den „alten“ Privaten Krankenversicherern können wir die Entwicklung über 10, 20 und 30 Jahre zurückverfolgen und bewerten, wie sauber die Beitragsverläufe sind. Dementsprechend lässt sich besser einschätzen, wann und in welcher Höhe mit Beitragsanpassungen zu rechnen ist. Die Gründe dafür, dass Ottonova bisher keine Betragserhöhung vorgenommen hat, liegen auf der Hand:

  1. Aufgrund der kurzen Zeit am Markt.
  2. Da Neukunden die Zielgruppe sind und die Annahmepolitik recht streng ist, sind die Versicherten noch vergleichsweise jung und gesund. Die wenigsten werden zum jetzigen Zeitpunkt teure Leistungen in Anspruch nehmen.
  3. Der Versicherer wirbt groß mit „stabilen Beiträgen“. Aus marketingtechnischen Gründen würde eine Beitragserhöhung also einen absoluten Genickbruch bedeuten.
Bewertungen und Erfahrungen mit der Ottonova Versicherung

Schaut man sich die Bewertungen und Erfahrungen der Kunden in den Bewertungsportalen wie trustpilot an, fallen zwei Dinge ins Auge:

  1. Die Meinungen gehen stark auseinander.
    69 Prozent bewerten die Ottonova mit „Hervorragend“, 24 Prozent mit „Ungenügend“ (Stand März 2022). Dazwischen passiert nicht besonders viel. Hinzu kommt die Tatsache, dass Kunden mit negativen Erfahrungen eher dazu tendieren und sich die Mühe zu machen, offizielle Bewertungen im Netz zu hinterlassen. 
  2. Die Anzahl der Bewertungen ist gering und nicht repräsentativ.
    Man muss bedenken, dass die Ottonova bisher nur einen kleinen Kundenstamm hat, der dazu im Vergleich überdurchschnittlich jung und gesund ist. Diese Versicherten haben höchstwahrscheinlich noch keinerlei Erfahrungen sammeln können wie ihr Versicherer bei größeren Gebrechen und im extremen Leistungsfall reagiert.
Fazit: Die Ottonova im Vergleich zu anderen Versicherern

Nun fragt man sich: Wie gut ist die Ottonova im Vergleich? Die genannten Vorteile sind – wenn man ehrlich ist – keine wirklichen Vorteile gegenüber anderen Privaten Krankenversicherungen. Was die Ottonova richtig gut macht: Informationen und Prozesse für jedermann simpel und verständlich kommunizieren. Da können sich viele Versicherer eine Scheibe von abschneiden. Das Leistungspaket ist im Versicherungsvergleich okay für die Preisgestaltung. Es gibt qualitativ auf jeden Fall bessere Versicherungen, die im Gegenzug monatlich etwas höhere Beiträge verlangen.

Der größte Knackpunkt ist jedoch die Ungewissheit: Wo wird die Versicherungsgesellschaft in den nächsten 10, 20 und 30 Jahren stehen? Wie werden sich die Beiträge entwickeln, wenn die heute privat Versicherten älter und kränker werden? Und nicht zuletzt: Wie verhält sich die Ottonova, wenn es mal richtig teurer wird? Hier fehlen definitiv Erfahrungswerte.

 

Spielst du mit dem Gedanken, eine PKV bei der Ottonova abzuschließen, beraten wir dich gerne noch mal ausführlich. Wir wägen alle Vorteile und Nachteile genauestens ab und machen den direkten Vergleich mit  gleich- und höherwertigen Tarifen anderer Versicherer.

 

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