Die beste PKV für Beamte 2022: Nicht auf Testsieger verlassen!

Der aktuelle PKV Test im Handelsblatt beweist, dass Beamte sich beim Vergleich von Privaten Krankenversicherungen nicht auf „Testsieger“ verlassen dürfen.

Der Handelsblatt PKV Test 2022 bietet keine gute Orientierung für Beamte

Im Mai 2022 hat das Handelsblatt einen brandaktuellen Vergleich Privater Krankenversicherungen veröffentlicht und ein Ranking der besten PKV und der besten PKV für Beamte erstellt. Zu Grunde liegen soll dem ein Test (wenn man es denn „Testen“ nennen kann) von mehr als 40 PKV Tarifen. Für das Ranking der besten Beamtentarife wurden 27 Private Krankenversicherungen für Beihilfeberechtigte verglichen. Die Testsieger wurden allerdings durch äußerst fragwürdige Kriterien gekürt, die Prämien wurden zum Teil falsch berechnet und – gerade bei der PKV für Beamte – wichtige Faktoren für die Bewertung außer Acht gelassen. Wir haben uns zwar in einigen Blog-Artikeln zuvor bereits kritisch zu diesen Tests geäußert, die beiden publizierten Handelsblattartikel stehen jedoch mal wieder beispielhaft dafür, dass man sich bei der Wahl einer Privaten Krankenversicherung nicht auf das Siegel „Testsieger“ verlassen sollte.

PKV für Beamte im Test: Gefährliche Lücken im Vergleich

Der Handelsblattartikel „Die besten PKV für Beamte im Vergleich“ enthält bereits zu Anfang fehlerhafte bzw. unvollständige Aussagen zu Beamtenversicherungen. So wird behauptet, dass Beamte nur die Restkosten über die Private Krankenversicherung abdecken müssen, da der Dienstherr über die Beihilfe mindestens 50 Prozent bezahlt. Außer Acht gelassen wird aber die Tatsache, dass die Beihilfe oft nicht die vollen 50 Prozent des Rechnungsbetrages zahlt. Beispielsweise wenn der Kunde medizinische Leistungen in Anspruch genommen hat, die nicht beihilfefähig sind. Diese nicht beihilfefähigen Aufwendungen werden vom gesamten Rechnungsbetrag abgezogen. Ein simples Beispiel:

Der Gesamtbetrag deiner Arzt- und Laborkosten beträgt 1000 Euro. Dadurch dass einige der enthaltenen Leistungen nicht beihilfefähig sind, erkennt die Beihilfe diese auch nicht an. So kann es durchaus sein, dass der Anerkennungsbetrag in deinem Fall nur bei 700 Euro liegt. Von diesem Betrag übernimmt die Beihilfe 50 Prozent, also nur 350 von 1000 Euro. Das ist ein gewaltiger Unterschied – gerade bei hohen Kranken- und Arztkosten – und kann den Kunden finanziell extrem belasten. In der Realität sind die Versicherten von einer 100-prozentigen Absicherung also weit entfernt. Deswegen benötigen Beamte neben der Restkostenversicherung den so wichtigen Beihilfeergänzungstarif. Daher fragen wir uns: Wie kann man hier die besten PKV für Beamte küren, ohne den Beihilfeergänzungstarif im Vergleich zu berücksichtigen?

Beste PKV für Beamte: Verzerrte Ergebnisse durch Verallgemeinerung

Etwas weiter unten im Handelsblatt-Artikel werden die jeweilige Höhe der Beihilfe in Abhängigkeit vom Familienstand sowie der Eigenanteil in einer Grafik dargestellt. Hier vermissen wir die speziellen Regelungen einiger Bundesländer wie beispielsweise Hessen, Bremen oder Baden-Württemberg: In Hessen erhöht sich der Beihilfeanspruch mit jedem Kind um fünf Prozent. In Baden-Württemberg erhält jeder Beamte 50 Prozent (bei Verbeamtung ab 2013) – unabhängig von der Anzahl der Kinder und dem Familienstand. Dagegen haben Beamte in Bremen einen 50-prozentigen Beihilfeanspruch, der sich für jeden beihilfeberechtigten Angehörigen (Ehepartner und/oder Kinder) um fünf Prozent bis auf maximal 70 Prozent erhöht.

Hinzu kommt, dass jedes Bundesland seine eigene Beihilfeverordnung hat und darin festlegt, welche Leistungen beihilfefähig sind und welche nicht, d.h. es existieren 16 – inklusive des Bundes sogar 17 – verschiedene Verordnungen. Durch die unterschiedlichen Grundvoraussetzungen der Versicherten ergeben sich natürlich Unterschiede in den Versorgungslücken und Ansprüche an die PKV sowie an die Beihilfeergänzungstarife. Ein ordentlicher PKV Vergleich müsste für Beamte also separat für jedes Bundesland erstellt werden.

Fragwürdige Kriterien für den PKV Test

Im folgenden Abschnitt des PKV Vergleichs wird beschrieben, wie getestet wurde und nach welchen Kriterien die Privaten Krankenversicherungen für Beamte verglichen wurden. Zugrunde gelegt wurde ein 30-jähriger Musterbeamte mit 500 Euro Selbstbeteiligung pro Jahr. Hier offenbart sich bereits der erste Fehler, der wiederum das gesamte Ranking dieses PKV Tests in Frage stellt: Wir würden einem Beamten von vorneherein keinen Selbstbehalt empfehlen. Zudem gibt es sehr wenige und gute Beamtentarife am Markt, die eine Selbstbeteiligung enthalten.

Für eine Angestellten oder Selbstständigen kann man eine Selbstbeteiligung durchaus empfehlen, da dadurch hohe PKV Beiträge gesenkt werden können. Diese Berufsgruppen müssen schließlich 100 Prozent ihrer Beiträge selbst zahlen. Aber für Beamte die bis zu 50 Prozent ihrer Krankenkosten erstattet bekommen und sich in vielen Bundesländern bereits über die Kostendämpfungspauschale jährlich an den medizinischen Kosten beteiligen, macht diese zusätzliche Selbstbeteiligung absolut keinen Sinn.

Unsere Bewertung der Testsieger des PKV Vergleichs

Des Weiteren heißt es, dass für diesen Test von der Ratingagentur Franke und Bornberg die Leistungen der PKV Tarife mit 50 Prozent, die Beitragshöhe mit 30 Prozent und die Finanzstärke der PKV mit 20 Prozent gewichtet wurden. Auch hier hat man die Lücken der Beihilfen komplett außen vorgelassen. Somit kommt man zu dem Ergebnis, dass die HUK-Coburg, die einen der schlechtesten Beihilfeergänzungstarife auf dem Markt anbietet, als einer der Testsieger hervorgeht. Die genannten Punkte sorgen für eine totale Verzerrung der Ergebnisse und somit für einen PKV Vergleich, der vielen Kunden eher schaden als helfen dürfte.

Im weiteren Verlauf des Artikels erscheint eine Grafik mit den besten Privaten Krankenversicherungen für Beamte. In der Liste liegen jedoch Versicherungsgesellschaften wie die Nürnberger Krankenversicherung AG ganz vorne, was für uns absolut nicht nachvollziehbar ist. Die Nürnberger erstattet bei Arznei-, Verband- und Heilmittel (!) wie Physiotherapieleistungen nur 80 Prozent (von den jeweils versicherten 50 Prozent) UND begrenzet diese Erstattung auf 2000 Euro. Uns ist schleierhaft, wie man mit diesen Versicherungskonditionen ein „Sehr gut“ in der Gesamtnote bekommen kann.

Zustimmen können wir dem Handelsblatt in ihrem PKV-Vergleich bei dem Testergebnis der Concordia. Im Vergleich zu vielen großen Krankenversicherern deckt bereits der Grundtarif für Beamte viele wichtige Leistungen ab. Außerdem wurden die Ergänzungstarife „BV plus“ und „BVE“ berücksichtigt. Diese übernehmen die Restkosten der Beihilfe und decken somit einige Leistungslücken – das größte „Problem“ der Beamten. Es gibt noch wertvollere Beihilfeergänzungstarife am Markt, das Preis-Leistungsverhältnis der Concordia stimmt jedoch. Auch den Tarif vom Deutschen Ring, der in diesem PKV Test mit „sehr gut“ abschneidet, können wir empfehlen, da deren Ergänzungstarife fast überall greifen. Diese sind gleichzusetzen mit der Barmenia, die in ihren Beamtentarifen ebenfalls viel leistet, in diesem Ranking aber nicht auftaucht.

Nachteile der Öffnungsaktionen werden verschwiegen

Direkt im Anschluss wird aufgelistet, „Warum Beamte in der PKV besser aufgehoben sind“. Auch hier wird ein Vorteil einiger Privater Krankenkassen aufgeführt, welches wir so nicht unterstützen würden. Auszug aus dem Handelsblatt Online-Artikel vom 12.04.2022:

Risikozuschläge sind auf 30 Prozent begrenzt. Beamte können sich unabhängig von ihrem Alter und Gesundheitszustand immer privat versichern. Möglich macht das die sogenannte Öffnungsaktion der privaten Krankenkassen, an der 16 PKVs teilnehmen. Die Öffnungsaktion gilt für den erstmaligen Zugang zur PKV. Wer Vorerkrankungen hat, muss mit Risikozuschlägen rechnen, diese sind aber auf 30 Prozent begrenzt. Lehnt der Versicherer wegen einer schweren Vorerkrankung den Antrag ab, muss der Beamte die gesetzliche Krankenkasse wählen.

Fakt ist: Man kann sich mit der Öffnungsaktion trotz Vorerkrankung mit 30 Prozent Risikozuschlag versichern. Was hier aber in keinem Wort erwähnt wird: Die genannten Tarife können nicht beihilfekonform angeboten werden. Das heißt, auch der so wichtige Beihilfeergänzungstarif wird NICHT angeboten. Möglicherweise sind wichtige privatärztliche Behandlungen nicht enthalten und auch Kurtagegeld und Krankenhaustagegeld werden hier nicht angeboten. Über diese erheblichen Nachteile der PKV Öffnungsaktionen wird viel zu selten aufgeklärt und fallen auch in diesem Fall einfach unter den Tisch. Es gibt außerdem noch ein paar Faktoren, durch die Beamte unter Umständen mit der gesetzlichen Krankenversicherung günstiger wegkommen, z.B. Beamte mit niedriger Besoldung und mehreren Kindern. Ob die GKV aber wirklich die bessere Alternative ist, muss im Einzelfall geprüft werden. Gerne vergleichen wir die Leistungen und Kosten der gesetzlichen und privaten Versicherer für dich.

Wer steckt hinter dem PKV Vergleich für Beamte und wer profitiert davon?

Wer einen Vergleich oder einen Test für Private Krankenversicherungen im Netz findet, sollte als allerstes checken, wer dahintersteckt:

  • Wer hat den Versicherungsvergleich in Auftrag gegeben?
  • Wo führen die Links hin, die zu einem PKV Vergleich auffordern?
  • Wer ist verantwortlich für die Inhalte?

Oft hilft schon ein kurzer Blick ins Impressum der jeweiligen Webseite. Auch über den Handelsblatt-Artikel kann man sich (wenig überraschend) über einen Link direkt Angebote für Private Krankenversicherungen einholen und vergleichen. Angeblich alles transparent und unabhängig über die Webseite „Finanzmarktforschung.de“. Das suggeriert den Lesern, dass man sich auf die neutrale Recherche und Angebote des Magazins verlassen kann. Wer sich allerdings das Impressum einmal genauer durchliest, dem wird schnell auffallen, dass hinter den Inhalten die verticus Finanzmanagement AG steht. Ein Unternehmen, welches die Anfragen sammelt und an seine eigenen Versicherungsmakler verteilt.

Fazit zum Testsiegel für die beste Private Krankenversicherung 2022

Unsere Kunden wissen und schätzen uns dafür, dass wir uns mit allen Versicherungsgesellschaften am Markt beschäftigen und vor allem kritisch mit deren PKV Tarifen auseinandersetzen. Nach fast zwei Jahrzehnten im Versicherungsgeschäft können wir dir versichern, dass …

  1. … es auch im Jahr 2022 nicht den einen, ultimativen Testsieger unter den PKV Anbietern geben wird. Verschiedene Rating-Agenturen, Wirtschaftsmagazine, Verbraucherportale und Journalisten werden ihre ganz eigenen Kriterien für ihren Vergleich und für die Wahl der besten Privaten Krankenversicherung heranziehen. Leider sind diese sogenannten „PKV Tests“ oft fehler- und lückenhaft, da im Bereich der Beamtenversicherungen viel Unwissenheit herrscht. Die Testsieger unter den Versicherungsgesellschaften werden sich jedoch mit dem Siegel schmücken, was viele Verbraucher in die Irre führen und im schlimmsten Fall einen minderwertigen und teuren Versicherungsschutz bedeuten kann.
  2. … es gefährlich und fahrlässig ist, Tarife und Beiträge Privater Krankenversicherungen mit den PKV Tarifen für Beamte zu vergleichen. Die Testsieger der Privaten Krankenversicherungen bieten bei Weitem NICHT die besten Beamtentarife. Hinzu kommt, dass die länderspezifischen Verordnungen und Beihilfeergänzungstarife nicht berücksichtig werden.
  3. … die beste Private Krankenversicherung sich aus dem Vergleich der wichtigsten, individuellen Faktoren ergibt:
  • Beamtenstatus (Beamtenanwärter, Beamter auf Probe, Beamter auf Lebenszeit)
  • Beihilfeverordnung des jeweiligen Bundeslandes
  • Eintrittsalter bei Abschluss der PKV
  • Gesundheitszustand bei Abschluss der PKV
  • persönliche Krankheitsgeschichte, Vorerkrankungen, chronische Krankheiten
  • individuelle Bewertung und Gewichtung der Tarifleistungen (z.B. bei Zahnersatz, Sehhilfen, Behandlungen bei Heilpraktikern, Kuren oder Therapien)

Wenn du diese Faktoren bei der Wahl deiner Privaten Krankenversicherung berücksichtigst, findest du deinen persönlichen Testsieger was die Leistungen und monatlichen Prämien betrifft.

Durch den unabhängigen Vergleich die beste PKV für Beamte finden

Wir von Beamtenservice verdienen unser Geld damit, indem wir das „Kleingedruckte“ der einzelnen Krankenkassen miteinander vergleichen und von der jeweiligen Gesellschaft für unsere Arbeit honoriert werden. Wir arbeiten dabei nicht mit ein paar ausgewählten Gesellschaften zusammen, sondern vergleichen die besten Beamtentarife auf dem Markt und können somit die beste PKV für dich herausfiltern. Für dich ist und bleibt dieser Service kostenlos.

Dein Vorteil bei uns: Wir stehen dir immer beratend zur Seite. Sei es beim Ausfüllen der Beihilfeanträge, bei den Gesundheitsfragen oder bei Uneinigkeiten mit deiner Gesellschaft – auch nach dem Abschluss deiner PKV.